Gedenken im Baranka Park
Jährlich am 20. Mai
Baranka Park am Belgradplatz, 1100 Wien

Die Baranka Park Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai im Baranka Park/Hellerwiese im 10. Wiener Gemeindebezirk organisiert, um der Roma und Sinti zu gedenken, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Mit der Gedenkfeier soll der Opfer gedacht werden und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie der jüdischen und Wiener Kultur vermittelt werden. Namhafte MusikerInnen, AutorInnen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens treten jedes Jahr auf, um ihre Kultur zu präsentieren und einen Raum für kulturellen Austausch zu schaffen, um so einen Beitrag für ein Leben ohne Ausgrenzung und Diskriminierung zu leisten.

Baranka Park am Belgradplatz, 1100 Wien
Anreise: Straßenbahn 6, Haltestelle Bernhardtstalgasse

Programm, 20. Mai 2019


17 Uhr – Eröffnungsworte
Verein Voice of Diversity und Ehrengäste

ca. 19 Uhr - Ulli Bäer – Duo Gebrüder Ulrich

Bekannt wurde der Ausnahmegitarrist Ulli Bäer Anfang der 1980er-Jahre, als er sich mit seinem Dialektsong „Der Durscht“ in den Charts platzieren konnte. Seit den 1990er Jahren trat er als Gitarrist auf den Tourneen bekannter Musiker wie Georg Danzer und den ehemaligen Trio Austria 3 auf. Bei der Baranka Park Gedenkfeier tritt er mit Gitarristen Ulli Winter und ihrem Duo-Projekt Gebrüder Ulrich auf - eine musikalische Zeitreise von der Wiener Vorstadt via London bis nach Texas. Legendäres & Neues, Blues & Rock'n Roll, Country & Folk, Wiener Liedgut & Austropop - 2 Gitarren, 2 Stimmen, 2 Gebrüder und ihre unbändige Spielfreude über den bunten Liederreigen.

20 Uhr – Aliosha Biz & Alexander Shevchenko

Aliosha Biz ist der Spross einer aus Österreich stammenden Künstlerfamilie in Moskau. Er erhielt Violinunterricht an der Moskauer Zentralmusikschule, studierte dann am Tschaikovskij-Konservatorium und spielte als Mitglied des Moskauer Jugendorchesters zahlreiche Konzerte in ganz Osteuropa. 1989 kam Aliosha Biz nach Wien, wo er sein erstes Konzert in der Wiener Fußgängerzone spielte. Dort entdeckte ihn der Musiker Hans Tschiritsch, der ihm die Schiene in die österreichische Musikszene legte, die ihn begeistert aufnahm. Aliosha Biz beschäftigt sich mit großer Leidenschaft mit der jüdischen Musik. Der Akkordeonist Alexander Shevchenko kommt ebenfalls ursprünglich aus dem „Großraum“ Sowjetunion. Seit Jahren sind die beiden kongeniale musikalische Partner, sind mittlerweile auch in der Wiener Musik zu Hause und mischen diese spielfreudig mit ihren osteuropäischen Traditionen.

21 Uhr Harri Stojka & Roma Musik Ensemble

Der international bekannte Gitarrenvirtuose Harri Stojka wendet sich mit seinem Roma Ensemble seinen "Wurzeln" zu. Wobei in diesem Fall “Wurzeln” eigentlich “Strassen” bedeutet – jene, denen seine nomadischen Vorfahren über Jahrhunderte zwischen Asien und Europa gefolgt sind. Ihre Musik wurde so zum Spiegel der Klangkünste ganzer Kontinente, die sie mit ihren eigenen Traditionen von Improvisation und Virtuosität verbanden. Harri Stojkas musikalische Laufbahn ist immer schon eine Fortsetzung dieser alten Reise gewesen und sie hat auch ihn zu immer neuen Formen von Musik geführt.

Special guest: Mosa Sisic (Geige)

Baranka Park am Belgradplatz, 1100 Wien
Anreise: Straßenbahn 6, Haltestelle Bernhardtstalgasse


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in historischer Ort - Rastplatz der Roma & Sinti

Quelle: Archiv Goettlicher Bezirksmuseum Simmering

Seit dem 18. Jahrhundert war die Hellerwiese Lager- und Rastplatz der Roma (aus dem Stamm der Lovara) und Sinti, die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis in den Grazer Raum handelten. Die fahrenden Händler lebten mit ihren Wohnwägen auf der Wiese in unmittelbarer Nähe zur Schokoladen-Fabrik Heller. Der Austausch mit den Nachbarn war freundschaftlich und von gegenseitigem Respekt, bis 1940 das NS-Regime auf die Roma- und Sinti Familien aufmerksam wurde. Das Gelände wurde zunächst eingezäunt und stand unter Beobachtung. Im Jahr 1941 verschleppte die Gestapo schließlich blindwütig und gnadenlos alle auf der Wiese lebenden Menschen in Konzentrationslager.

Zeitzeuge Mongo Stojka

Johann „Mongo“ Stojka, der als Kind mit seiner Familie selbst auf der Wiese gelebt hatte, war einer der ganz wenigen, die das Konzentrationslager überlebten. Sein Vater erkannte die Gefahr durch die Nazis frühzeitig und übersiedelte die acht-köpfige Familie nach Ottakring nahe dem Kongressbad. Die Räder des Wohnwagens montierte der Vater kurzerhand ab und machte aus dem mobilen Heim ein kleines Holzhaus mit festem Standort. Doch 1943 wurde auch die Familie Stojka von der Gestapo ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und erlebte Schreckliches. Mit Hilfe seines Sohnes, dem international bekannten Gitarren-Virtuosen Harri Stojka, begann er schließlich, die Geschichte dieses historischen Ortes, die auch seine eigene war, aufzuarbeiten und öffentlich zu machen.

In seinem Buch "Papierene Kinder" (Molden, Wien 2000) hat Mongo Stojka seine Erinnerungen an die Familie auf der Hellerwiese, die den Roma und Sinti als Lagerplatz so lange ein zu Hause war, festgehalten und versucht, den blanken Horror, der folgte, zu benennen.

Mit der Unterstützung des „Kulturraum 10" gelang es Mongo Stojka 1999 eine Gedenktafel in dem heutigen Park zu errichten und einen roten Kastanienbaum, dem damaligen Lieblingsbaum der Lovarafamilien, zu pflanzen. Im Jahr 2003 wurde der Park schließlich nach der angesehenen Naturheilerin Helene „Baranka“ Huber - Großmutter von Mongo Stojka und Stammes-Oberste - in Baranka Park umbenannt.

Wir danken folgenden Fördergebern für die Unterstützung, die uns die Umsetzung des Projekts ermöglicht.

                

 

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