Gedenken im Baranka Park

Die Baranka Park Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai im Baranka Park/Hellerwiese im 10. Wiener Gemeindebezirk organisiert, um der Roma und Sinti zu gedenken, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Mit der Gedenkfeier soll der Opfer gedacht werden und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie der jüdischen und Wiener Kultur vermittelt werden. Namhafte MusikerInnen, AutorInnen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens treten jedes Jahr auf, um ihre Kultur zu präsentieren und einen Raum für kulturellen Austausch zu schaffen, um so einen Beitrag für ein Leben ohne Ausgrenzung und Diskriminierung zu leisten.

Programm – 20. Mai 2018, 17 - 22 Uhr

10. Baranka Park Gedenkfeier
20. Mai 2018, 17-22 Uhr
Baranka Park am Belgradplatz, 1100 Wien
Anreise: Straßenbahn 6, Haltestelle Bernhardtstalgasse

17 Uhr – Eröffnungsworte
Verein Voice of Diversity und Ehrengäste

im Anschluss: Musikschule Favoriten
Die Musikschule Favoriten zeigt wie bereits in den vergangenen Jahren ihr großartiges „weltmusikalisches“ Können.

18 Uhr: Lesung Doris Stojka & Musik Harri Stojka
Doris Stojka liest aus dem Buch „Papierene Kinder“ von ihrem Vater Mongo Stojka, der das Konzentrationslager als Kind überlebt hatte und später seine Erinnerungen in diesem Buch festhielt. Bruder Harri Stojka begleitet die Lesung mit Musik.

18.30 Uhr: Roman Grinberg & Klezmer Trio
Roman Grinberg, Sasha Danilov und Igor Pilyavskiy sind seit vielen Jahren ein unzertrennliches Trio. Alle drei stammen aus Osteuropa und haben Wien zu ihrer neuen Heimat gemacht. Roman Grinberg gilt als Wiens umtriebigster Tausendsassa in Sachen jüdischer Musik. Er ist Komponist, Arrangeur, Pianist, Sänger und Entertainer, leitet den Wiener Jüdischen Chor und ist Intendant des alljährlich stattfindenden Yiddish Culture Festival. Sasha Danilov ist ein international gefragter Klezmer-Experte. Beeinflusst von der Musik Moldovas, wo er aufgewachsen ist, hat der Klarinetten-Virtuose über Jahre seinen eigenen Stil der Klezmermusik kreiert. Igor Pilyavskiy stammt aus Kiew, wo er an der Musikakademie studierte. Mit seinem Akkordeon verleiht er dem Trio den folkloristischen Klang, der so charakteristisch für die Musik Osteuropas ist. Kongenial ergänzen sich die drei Freunde zu einem Klangkörper. In ihrem aktuellen Programm haben die Künstler alte und neue Klezmer-Melodien und viele beliebte jiddische Lieder zu einer bunten Collage zusammengestellt.

19.30 Uhr: Ernst Molden
Ernst Molden wird 1967 in eine Wiener Literaten- und Publizistenfamilie hineingeboren. Ein Studium der Germanistik bricht er ab, arbeitet stattdessen ab 1987 als Polizeireporter, später als Beilagenredakteur der Wiener Tageszeitung 'die Presse'. 1991 bis 1993 ist er Dramaturg und Hausautor am Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer. Seit 1993 arbeitet Ernst Molden als Musiker und Schriftsteller. Als Musiker hat sich Ernst Molden dem Wienerlied verschrieben und veröffentlichte dazu bereits 7 Alben.

20.45 Uhr: Harri Stojka feat. Moša Šišic
Der international bekannte Roma Gitarrist Harri Stojka wendet sich mit diesem Projekt seinen Wurzeln zu. Wobei in diesem Fall Wurzeln eigentlich “Strassen” bedeutet – jene, denen seine nomadischen Vorfahren über Jahrhunderte zwischen Asien und Europa gefolgt sind. Die Musik der Roma wurde so zum Spiegel der Klangkünste ganzer Kontinente, die sie mit ihren eigenen Traditionen von Improvisation und Virtuosität verbanden. Harri Stojkas musikalische Laufbahn ist immer schon eine Fortsetzung dieser alten Reise gewesen und sie hat auch ihn zu immer neuen Formen von Musik geführt.

Foto „Hellerwiese historisch“

Ein historischer Ort - Rastplatz der Roma & Sinti

Seit dem 18. Jahrhundert war die Hellerwiese Lager- und Rastplatz der Roma (aus dem Stamm der Lovara) und Sinti, die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis in den Grazer Raum handelten. Die fahrenden Händler lebten mit ihren Wohnwägen auf der Wiese in unmittelbarer Nähe zur Schokoladen-Fabrik Heller. Der Austausch mit den Nachbarn war freundschaftlich und von gegenseitigem Respekt, bis 1940 das NS-Regime auf die Roma- und Sinti Familien aufmerksam wurde. Das Gelände wurde zunächst eingezäunt und stand unter Beobachtung. Im Jahr 1941 verschleppte die Gestapo schließlich blindwütig und gnadenlos alle auf der Wiese lebenden Menschen in Konzentrationslager.

Zeitzeuge Mongo Stojka

Johann „Mongo“ Stojka, der als Kind mit seiner Familie selbst auf der Wiese gelebt hatte, war einer der ganz wenigen, die das Konzentrationslager überlebten. Sein Vater erkannte die Gefahr durch die Nazis frühzeitig und übersiedelte die acht-köpfige Familie nach Ottakring nahe dem Kongressbad. Die Räder des Wohnwagens montierte der Vater kurzerhand ab und machte aus dem mobilen Heim ein kleines Holzhaus mit festem Standort. Doch 1943 wurde auch die Familie Stojka von der Gestapo ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und erlebte Schreckliches. Mit Hilfe seines Sohnes, dem international bekannten Gitarren-Virtuosen Harri Stojka, begann er schließlich, die Geschichte dieses historischen Ortes, die auch seine eigene war, aufzuarbeiten und öffentlich zu machen.

In seinem Buch "Papierene Kinder" (Molden, Wien 2000) hat Mongo Stojka seine Erinnerungen an die Familie auf der Hellerwiese, die den Roma und Sinti als Lagerplatz so lange ein zu Hause war, festgehalten und versucht, den blanken Horror, der folgte, zu benennen.

Mit der Unterstützung des „Kulturraum 10" gelang es Mongo Stojka 1999 eine Gedenktafel in dem heutigen Park zu errichten und einen roten Kastanienbaum, dem damaligen Lieblingsbaum der Lovarafamilien, zu pflanzen. Im Jahr 2003 wurde der Park schließlich nach der angesehenen Naturheilerin Helene „Baranka“ Huber - Großmutter von Mongo Stojka und Stammes-Oberste - in Baranka Park umbenannt.

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